Vlado Schmidt

gest. 08.09.2017 RIP  

Soke

  • 10. Dan Kobukai Kobudo
  • 10. Dan Goshinkai
  • 10. Dan Ju/Jiu-Jitsu
  • 10. Dan Selfdefense
  •   9. Dan Jujutsu
 https://ikf-kobudo.org/Portals/0/Users/172/72/172/_MG_5925.jpg

Infos

Vlado Schmidt, Stilmeister (Kobukai Kobudo) hat eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung und Entwicklung des ungarischen und des europäischen Ju Jutsu gespielt. Während seines Lebens hat er DAN-Grade in den verschiedensten Kampfkünsten erhalten und war ein hochrangiges Mitglied und Ehrenpräsident von mehreren internationalen Organisationen.

Vlado Schmidt wurde am 28.10.1929 in Berlin geboren. Sein Vater war Deutscher, seine Mutter Kroatin. Nach kurzer Zeit zog seine Familie weiter nach Hamburg. Seine Kindheit war hart und geprägt durch die Wirren des 2. Weltkrieges.

Vlado war acht Jahre alt als er sich in Hamburg auf einem Boot nach Bombay versteckte. Während der zweimonatigen Reise auf dem Schiff, wurde er in der Küche eingeteilt. Der Schiffskoch hat ihn unterwegs in Pencak Silat unterrichtet. Angekommen in Bombay (1938) entkam er aus dem Schiff und verbrachte zwei Jahre unter den Straßenkindern am Strand. Nach zwei Jahren wurden sie festgenommen und nach Deutschland zurückgebracht (1940).

1941-45 kam er zur Hitler-Jugend, wo er Nahkampftraining für Jugendliche erhielt. In Stockerau (bei Wien) studierte er Boxen.

Während des Krieges wurde sein Vater als Soldat in die Wehrmacht eingezogen und die Familie zog nach Zagreb, wo sein Vater als Dolmetscher arbeitete. Am Ende des Krieges wurden sie von Partisanen gefangen genommen. Sein Vater wurde hingerichtet, seine Mutter entkam. Vlado wurde für eine lange Zeit in einem anderen Lager in Precko (Jugoslawien - 1946-48) festgehalten. Mehrmals versuchte er zu entkommen. Für diese Fluchtversuche wurde er ins Gefängnis gesteckt. Während der Jahre der Gefangenschaft lernte er, wie Waffen aus Brot gemacht werden können, wie man Messer aus einem Löffel macht, wie man unsichtbare Botschaften mit Zuckerwasser schreibt und wie man Metallbesteck und Schüsseln zur Selbstverteidigung benutzt. Nach einem Jahr und neun Monaten entkam er aus dem Gefängnis und konnte nach Italien fliehen (1954).

1955 ging Vlado zur französischen Fremdenlegion, als Mitglied der 2. REP Fallschirmgruppe wurde er in Korea und Indochina (Dien Bien Phu - Vietnam) ausgebildet und war danach in Afrika (Algerien - Sidi Bel Abbes) im Einsatz. Im Indochina-Krieg wurde er später in Marokko eingesetzt. Während seiner Ausbildung zum Fremdenlegionär machte er Bekanntschaft mit den verschiedensten Kampfsystemen (Tang Soo Do, Pentjac Silat, Tanto-Jutsu, etc.) und hat diese Systeme nach seiner Rückkehr in Deutschland auch weiter trainiert.

1961 beendete Vlado Schmidt seine Dienstzeit in der französischen Fremdenlegion und kam als Meister in den verschiedensten Kampfsystemen zurück nach Deutschland. Ungeachtet dieser Tatsache stellte er sich in Deutschland den verschiedensten Prüfungskommissionen und legte im Laufe der Jahre die Prüfungen bis zu hohen Graduierungen in den verschiedensten Disziplinen ab.

Er studierte Elektrotechnik und arbeitete im Mercedes-Werk in der Nähe von Stuttgart. Gemeinsam mit Werner Heim, Franz Josef Gresch, Otto Brief, Richard Unterberger und Klaus Münstermann trug er maßgeblich zur Entwicklung des deutschen Ju Jutsu bei. Er bereiste die Welt auch in den Folgejahren ständig um Kampfkünste zu studieren und zu lehren (Japan, USA, Philippinen usw.).

Weitere Stationen:

  • 1965-70 Trainer beim FBI und der US-Militärpolizei
  • 1968 eröffnete er sein erstes Fitnessstudio in Stuttgart.
  • 1971 gründete er seine eigene Schule "Kampfsport Schule Valdo Schmidt"
  • Ab 1972 war er Trainer der GSG 9 Anti-Terror-Gruppe.
  • Von 1972 bis 1983 war er technischer Direktor der DJB in Deutschland
  • 1980-1984 Veröffentlichung seiner Bücher: Ju-Jutsu, Selbstverteidigung (5 Bände)
  • 1998 zog er nach Ungarn (Balatonmária-Bad).
  • ab 1999 gab er noch regelmäßig bis 2009 in einem lokalen Dojo Unterrricht (bis zum stolzen Alter von 80 Jahren).

 Vlado Schmidt ist es durch seinen persönlichen Einsatz zu verdanken, dass JUJUTSU, JU/JIU-JITSU heute diesen hohen Stellenwert in Europa einnimmt.

Neben seinem Bestreben JUJUTSU, JU/JIU-JITSU in Europa zu verbreiten, trainierte er auch Kobudo (Waffentechniken), modifizierte das traditionelle Techniksystem und passte die traditionellen Techniken den europäischen Verhältnissen und Bedürfnissen an.

Für dieses, sein Lebenswerk, wurde Vlado Schmidt vom japanischen Kaiserhaus mit dem Titel KAISHO (Begründer einer Stilrichtung) ausgezeichnet (2001).

Seine Stilrichtung durfte von nun an als KOBUKAI KOBUDO bezeichnet werden.

Alle Budokas die mit ihm trainiert haben oder als seine Schüler seine Wegbegleiter waren und sind, wissen die Kompetenz und sein technisches Fachwissen zu schätzen.

Sein unermüdlicher Einsatz zur Verbreitung seiner geliebten Kampfkünste war auch im hohen Alter ungebrochen.

Nach kurzem Leiden hat Soke Vlado Schmidt am 08. September 2017 seine Augen für immer geschlossen.

RUHE IN FRIEDEN - VLADO


Videos:

Bericht über Vlado Schmidt:

Stocktechniken 2009:

Ungarn 1985:

Selbstverteidigungstechniken:

Stock-Kata in Pinkafeld/Österreich 1993: